9.Tag, Sonntag den 22.August

Juli 25th, 2005

Gut ausgeruht ließ sich Hans Jörgen an diesem Morgen von seiner Digitaluhr wecken. Vorsichtig erledigte er seine Morgengymnastik. Es war genug Platz in diesem Raum in dem neben einer großen Couch auch eine Schlafcouch stand. Hans Jörgen dachte normal an den gestrigen Abend und war von der Gastfreundschaft sehr berührt. Der Gastgeber war von ihrem Unternehmen so fasziniert, dass er Eva eine wunderschöne Halskette schenkte. Wiederum fühlen sich die beide fast wie in einem Schlaraffenland. Sie bekamen Essen und Unterkuetappe_3_199.jpgnft und wurden dann noch weiter beschenkt.
Mittlerweile war die Gastgeber auch wach geworden und der Hausherr zauberte in der Küche ein Frühstück für alle. Es war noch mal ein Gemeinsames miteinander und ein Abschied.

etappe_3_200.jpgPünktlich wurden sie von Team abgeholt. Die Gastgeberin war noch im Nachtgewandt, die Gastgeber brachte Hans Jörgen und Eva mit nach draußen. Doch konnten sich alle noch einmal herzlich von einander verabschieden. So innerlich und äußerlich gestärkt machte sich Hans Jörgen und Eva wieder auf die Straße. etappe_3_204.jpg

Es war Sonntag und man hätte vermuten können, dass an diesem Tag nicht so vieler Autos unterwegs waren. Doch es klappte sehr gut. Sie standen nirgendwo lange und das letzte Auto brachte sie bis ans Sanatorium. Es war gerade mal 13:00 und nach den bisherigen Erfahrungen wurden die Teilnehmer meistens gegen 14:00 eingesammelt. Sie fuhren auf dem Parkplatz und sahen auch kein anderes Auto. Das ließ die Erwartungen von Hans Jörgen und Eva in die Höhe schnellen, sie könnten mit unter den ersten sein.

etappe_3_252.jpgEilig verließen sie das Auto, dass sie hin gebracht hatte. Mit dem Rucksack stürmten sie ins Sanatorium. Sie liefen in der unteren Etage von Zimmer zu Zimmer und fanden nichts. Die Kabel deuteten daraufhin, dass es hier sein musste. Es war nichts geöffnet. Also liefen die beide hinunter zum Strand. Doch war schon eine Menge von Leuten, aber keinpexpress011.jpg Logbuch. Enttäuscht und abgehetzt liefen beide wieder nach oben. Bei Eva machten sich Beschwerden im Fuß bemerkbar. Sie konnte nicht mehr so schnell, blieb aber eisern daran. Beide rannten wieder in das Sanatorium hinein und suchten noch mal die ganze untere Etage hat. Als sie davon abgehetzt nach draußen kamen, kam eine Teambegleiterin auf sie zu und meinte, dass sie die dritten seien, aber das Logbuch schon geschlossenen wäre.

pexpress010.jpgIhr könnt euch vorstellen, wie Hans Jörgen sich da fühlte. Da hatten sie ihn und Eva fast zehn Minuten mit dem Rucksack hin und herlaufen lassen, obwohl sie wussten, dass schon alles vorbei war. Er fühlte sich ganz schön verarscht. Daraus machte Hans Jörgen auch kein Hehl und ließ seinen Ärger heraus. Die Teambegleiterin entschuldigte sich, sie nicht rechtzeitig abgefangen zu haben, aber das wollte Jörgen jetzt auch nicht mehr hören. Zu sehr fühlte er sich an der Nase herumgeführt, zumal das alles mit der Kamera fest gehalten wurde.
Hans Jörgen und Eva setzten sich erst einmal auf das Steinmäuerchen vor dem Sanatorium. Das hat eine Menge Kraft gekostet und Eva unnütze Belastungen auf ihren kranken Fuß.

etappe_3_264.jpgDer Himmel war bedeckt und es wehte ein leichter Wind. Gleich sollten Hans Jörgen und Eva mit den anderen in Schwimmsachen an einem Schlammspiel teilnehmen. Dazu hatte Hans Jörgen zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Lust. Hinzukam, dass die kühle Witterung und der vorhandene Wind eine heftige Unterkühlung bedeuten konnte. Hans Jörgen kannte das gesundheitliche Risiko aus seiner aktiven Zeit als Sportschwimmer. Also, beschloss er, an diesem Spiel nicht teilzunehmen. Letztlich war ihn die Gesundheit von Eva und ihm wertvoller als ein Amulett.

Leider musste Hans Jörgen feststellen, dass es nicht so einfach war, aus einem Spiel auszusteigen. Wäre er, wie die beiden Frauen, nicht am Spielort gewesen, wäre das kein Problem gewesen. So musste Hans Jörgen wieder einmal einsehen, dass er ein Teil einer Fernsehproduktion war, ob ihm das gefiel oder nicht. Im nachhinein bedauert es Hans Jörgen, sich nicht durchgesetzt zu haben. Seine Befürchtungen sollten sich im weiteren bestätigen. Es hat wohl keinen Zweck darüber zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn sie an diesem Spiel nicht teilgenommen. Hans Jörgen wollte an diesem Tag keinen weiteren Ärger, er war schon verärgert genug.

Sie bekamen ein Raum gezeigt, indem sie sich umziehen konnten, um sich etappe_3_268.jpgfür das Spiel fertig zu machen. Mit einem Bademantel bekleidet begaben sich Hans Jörgen und Eva an den Strand zu den anderen. Der Ärger hatte sich mittlerweile ein wenig gelegt und so stellten sie sich mit allen anderen vor dem Schlammbad auf. Es hatte sich eine ansehnliche Zuschauermenge angesammelt. Alle warenetappe_3_292.jpg neugierig, was den jetzt passiert. Hans Jörgen kannte den Verlauf des Spiels schon aus der holländischen Version. Er hatte sich vorgenommen, dem Schlamm in seiner Badehose zu tragen. Aufgabe im Spiel war, in einer bestimmten Zeit, 3 Minuten möglichst viel Schlamm in den vorgesehenen Behälter zu befördern. Dabei hatte man keine Hilfsmittel.

etappe_3_294.jpgMit einem "Los" sprangen alle ins Moor. Es war eine glibberige schwarze Masse, in sie alle hinein sprangen. Man konnte Knie tief einsinken. Am Fußknöchel war der breiige Untergrund zu spüren. Während die anderen sich fast mit den ganzen Körper in die Brühe stürzten, versuchte Hans Jörgen nur seine Badehose zu füllen. etappe_3_314.jpgDas ging ganz gut, nur mit dieser Badehose. Danach zu laufen war schwierig und muss ganz lustig ausgesehen haben. Das Publikum feuerte alle heftig an und alle hatten ihren Spaß. Zwischendurch gab es von Patrice die Bemerkung: „du kannst deinen Oberkörper auch dreckig machen“. Hans Jörgen blieb aber dabei. Dafür hatte sich Eva etappe_3_317.jpgvoll in den Schlamm geworfen.
Auf die Dauer konnte keiner vermeiden, auch Schlamm ins Gesicht zu bekommen. Es war eine merkwürdige Brühe. Es sollte Heilschlamm sein. Nach drei Minuten wurde das Spiel beendet. Die Schüsseln waren unterschiedlich voll.

etappe_3_324.jpgDas Spiel hatte eine Menge Energie freigesetzt und alle waren ziemlich aufgekratzt. Eva und Mark kamen auf die Idee, die herumstehenden nicht auszulassen. Eva wendete sich sofort Patrice zu und umarmte ihn. Der war ganz schön sauer. Danach liefen alle auf das Publikum zu. etappe_3_325.jpgDie stobten auseinander und versuchten sich zu retten. Andere blieben stehen und umarmten die Teilnehmer. Es war ein Heidenspaß für alle. Hans Jörgen bedeckte einen Zuschauer mit freiem Oberköper ganz mit Schlamm. Es gab ein Erinnerungsfoto und die Emailanschriften wurden ausgetauscht.

etappe_3_317.jpgDer nasse Schlamm entzog dem Körper schon einiges an Wärme. Das merkten alle, als sie ein wenig zu Ruhe kamen. Jetzt konnte nur noch ein Sprung in das seichte Wasser des See helfen. Der Schlamm etappe_3_328.jpgwar ziemlich schwierig zu entfernen. Dafür machte das Planschen im seichten Wasser Hans Jörgen viel Freude. Er fühlt sich Wasser immer Zuhause und bisher gab es dazu keine Gelegenheit. Es blieben ein Paar Minuten den Wasserspaß zu genießen.

etappe_3_331.jpgDann ging es an den Strand zu den abgelegten Bademäntel und Handtüchern. Sie konnten sich grob abtrocknen. Die Nässe der Haare und der Schwimmsachen blieb aber. Sie mussten sich zum Wiegen des Schlamms und der Feststellung des Siegerpaares in der Nähe der Gefäße aufstellen und auf alles weitere Warten. Das brauchte wie immer einige Zeit. Wenn Kameras beteiligt sind, heißt es einfach häufig Warten, Warten, etappe_3_337.jpgWarten. Das war für Eva, wie sie später erzählte, die schlimmste Zeit. In dieser Zeit hat sie sehr gefroren.
Die Auswertung zieht sich hin und Gewinner waren die beiden großen Männer. An denen konnte der Schlamm gut hängen bleiben. Die Idee mit der Badehose hatte keinen Erfolg gebracht.

etappe_3_342.jpgEs blieb noch ein wenig Zeit, sich wieder reisefertig zu machen und dann ging es weiter Richtung Omsk. Eva musste etwas von dem Heilschlamm geschluckt habe, denn schon im Sanatorium begann sich ihre Verdauung zu melden. Sie bekam leichten Durchfall.

Als dritte waren sie angekommen und als dritte durften sie auch wieder etappe_3_349.jpgweg. Hans Jörgen war noch ziemlich verärgert von dem, was an diesem Nachmittag gelaufen war und entschloss sich mit Eva nach vorne in Richtung Omsk zu laufen. Wie sich später herausstellen sollte, war das natürlich die falsche Richtung, weil die anderen von hinten heraus natürlich vor ihnen Autos bekamen.

etappe_3_366.jpgDas sollte die Stimmung der beiden nicht heben. Sie blieben immer wieder mal stehen, um nach Autos zu winken. Dann liefen sie weiter. Mittlerweile waren 4 Teams an ihnen vorbei gekommen. Sie bleiben auch weiterhin erfolglos. Sie liefen bis an die nächste große Kreuzung, in der Hoffnung, hier mehr Möglichkeiten zu haben.

etappe_3_369.jpgMittlerweile war die Zeit abgelaufen. Eva wollte unbedingt an der Kreuzung im freien Schlafen. Hans Jörgen war davon überhaupt nicht begeistert. Die Gegend sah nicht besonders einladend aus. Nach einigen Diskussionen und Ortsbesichtigungen gab Eva nach und beide wanderten in die Richtung eines Dorfes. Es war noch ein ziemliches Stück zu laufen. Nach einiger Zeit begann es Eva schlechter zu gehen. Sie konnte kaum noch weiter laufen.
etappe_3_380.jpgDas Begleitauto las sie auf und brachte sie bis ins nächste Dorf. Es war kein großes Stück, aber für Eva nicht zu bewältigen. Im Dorf ging Eva noch an zwei Häusern mit, um sich danach in Gras zu legen. Sie konnte nicht mehr. Heftige Bauchschmerzen machten ihr zu etappe_3_378.jpgschaffen. Eva ist nicht zimperlich. Wenn ihr die Tränen vor Schmerz durch das Gesicht liefen, dann hatte das was zu bedeuten. Alle waren sehr besorgt um sie.  Leider verbesserte ihr Befinden auch nicht.

etappe_3_423.jpgSie brauchen aber eine Bleibe für die Nacht. Eva konnte nicht mitsuchen, also machte sich Hans Jörgen alleine auf den Weg. Es war sehr mühselig. Es gab Absagen über Absagen. Bis eine Russin Hans Jörgen zum Haus eine 60-jährigen Russin führte. Sie wollte beide aufnehmen. Jetzt musste nur noch Eva geholt werden. Die hatte sich mittlerweile wieder ein wenig erholt.

Die Russin kümmerte sich liebevoll um die beiden. etappe_3_430.jpgSie erzählte, dass sie 2 Kinder hätte und jetzt hier alleine wohnte. Für Hans Jörgen und Eva hat sie ein großes Bett, in das auch Eva schnell verschwindet. Die Russin erkundigt sich noch sorgenvoll nach dem Befinden von Eva und will ihr auch noch eine Medizin geben.
Hans Jörgen ist besorgt und ärgerlich zugleich. Hatten sich seine Befürchtungen doch etappe_3_434.jpgbestätigt. Noch weiß er nicht, wie es weiter geht. Der Infekt wird beide bis zum Ausscheiden aus dem Peking Express weiter begleiten.
Zum Abendbrot gibt es ein typisch russisches Essen. Es waren gekochte Teigwaren mit unterschiedlichem Inhalt. Hans Jörgen nimmt das Abendessen dankbar an. Es sehr gemütlich und gleichzeitig bemerkt Hans Jörgen, das seine Gastgeberin nicht sonderlich viel zur Verfügung hatte und davon gab sie auch noch ab. Er war tief berührt von ihrer Herzlichkeit, ihre Sorge und Gastfreundschaft.
Wie gerne hätte Hans Jörgen der Gastgeberin etwas für die etappe_3_439.jpgÜbernachtung gegeben. Die Situation machte ihm sehr zu schaffen. Das Spiel bedeutete, das sie die Gastfreundschaft der Menschen in Anspruch nahmen, ohne sich erkenntlich zeigen zu können. Zu mindestens hatte Hans Jörgen Bilder mit, die er weiter gab oder Eva malte etwas für die Gastgeber. Solange die Familien ihren Unterhalt einigermaßen bestreiten konnten, konnte Hans Jörgen das Gastgeschenk gut etappe_3_443.jpgannehmen. An diesem Abend war ihm dabei gar nicht gut. Hans Jörgen ließ sich ihre Adresse in sein Tagebuch schreiben. Leider wusste Hans Jörgen zu diesem Zeitpunkt auch nicht, das Adressen ohne Postleitzahl so gut wie nutzlos waren, weil die Post ohne Postleitzahl in dem riesigen Land nie ankommt.
etappe_3_445.jpgAn diesem Abend haderte Hans Jörgen mit dem Spielkonzept, kostenlose Unterkünfte zu suchen. Er hätte sich gewünscht, das solche Gastgeber von der Produktion eine finanzielle Anerkennung bekommen hätten. Zumal die Gastgeber ja nicht nur die Teilnehmer aufnahmen, sondern auch noch die Kamera mit im Hause hatten und ihr Zuhause einem unbekannten Publikum öffneten. Damit musste sich Hans Jörgen abfinden, auch wenn ihm das sehr schwer viel, wie an diesem Abend. Er war ihm noch einmal bewusster, dass er ein Teil einer kommerziellen Fernsehproduktion war, indem er nicht die Spielregeln bestimmte. Darüber wollte er nicht weiter nachdenken. Ganz verdrängen konnte etappe_3_447.jpger das auch nicht.
Der Stress und die Aufregung ließen die Gedanken wieder zerfließen. Jetzt stand die Gesundheit von Eva im Vordergrund. Mit vielen unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen schlief er endlich ein.

8. Tag, Samstag den 21.August

Juli 24th, 2005

Um 6 Uhr war die Nacht vorbei. Hans Jörgen befreite sich von seinem Schlafsack, der wieder nur mäßig die nass kalte Nacht von ihm abhielt. Vorsichtig suchte er seine Sachen zusammen und versuchte das Zelt so zu öffnen, dass er Eva nicht störte. Das war nicht leicht für ihn.

Dann musste er irgendwie aus dem Zelt in den dunstigen Frühmorgen raus. Die Isomatte für die morgendlichen Übungen hinter sich ziehend begab sich Hans Jörgen auf die nasse Wiese.

Wie schon befürchtet, hatte das Feuer die Wäsche nicht trocknen können, sondern hatte sie nur mit einem heftigen Geruch durchzogen. Die Glut war ausgebrannt. Und der Rest der Wäsche baumelte auf den Leinen zwischen den Bäumen. Darum kümmert sich Hans Jörgen nicht. Er war mit seinen Morgenübungen im Freien beschäftigt.

Mittlerweile war auch die Seele des Camps, die Begleiterin wach und hatte auch schon Wasser für den Tee aufgesetzt. Die Kochnische sah noch etwas kaotisch aus. Auf den Tischen standen die leergebrannten, erloschenen Lampen. Keiner hatte sich dafür zuständig gefühlt, sie auszumachen.

Es gab bisher überhaupt keine Absprachen darüber, wie nun das allgemeine Camp organisiert und ablaufen würde. Jeder machte so vor sich hin, wie er glaubte, dass es funktionieren könnte. Bisher waren Grundsachen, wie z.B. Tee und Zucker in einer allgemeinen Kiste vorhanden. Langsam aber sicher belebte sich der Zeltplatz.

Die einen sorgten sich um eine Waschgelegenheit, andere kümmerten sich um ihr Frühstück. Hans Jörgen hatte die Angewohnheit, morgens nicht zu frühstücken. Eine Tasse Tee reichte für ihn. Er kümmerte sich noch um pexpress053.jpgein Messer. Die einzige Möglichkeit, die blieb war, eins der Messer aus dem Camp mitzunehmen.

Nach dem er das mit der guten Seele des Camps abgesprochen hatte, begann Hans Jörgen seine Sachen zusammen zu sammeln. Er wusste, dass er insgesamt immer etwas langsamer und umständlicher dabei war als die meisten anderen. Die noch nasse Wäsche musste in einen extra Beutel. Alles andere kam, wie ich MORIS, zurück in den großen Rucksack. Wie Hans Jörgen und Eva später feststellen mussten, hatte sie beim Einpacken, die Hosenbeine einer Hose von Eva vergessen. So dass Eva von dieser Zeit nur noch über 1 Lange Hose neben einer Trainingshose verfügte. Das war sehr ärgerlich, aber nicht zu ändern. Während Hans Jörgen noch mit Einpacken und Aufräumen beschäftigt war, machte Eva mit Norbert noch einen Spaziergang zum nahen Seeufer.

etappe_3_001.jpgUm 7 Uhr 30 wurden sie alle abgeholt und zum Startpunkt gebracht. Es war ein alter Bahnhof von Jekaterinburg. Zur Überraschung von einigen, bekamen sie einen neuen Schlafsack. Der war dicker und schwerer und sollte wärmer sein. Jetzt musste noch das Problem gelöst werden, was denn nun mit dem anderen passiert. Schließlich kam es zu der Einigung, dass 1 Schlafsack im mitfahrenden Teamwagen mitgenommen wurde und 1 Schlafsack auf den Rucksack kam. Der leichte Schlafsack war zwar für draußen ungeeignet, konnte aber in einem Raum gute Dienste tun. Eva schnallte sich den schweren und Hans Jörgen sich den leichten Rucksack auf. etappe_3_010.jpg

Bei der Übergabe der Unterlagen hieß es, das sie sich morgen zum Schlammspiel treffen werden. Mit TARTARI in der Hand und mir etappe_3_028.jpgMORIS im Rucksack machten sich die beiden auf. Sie hatten Glück. Ein Lastwagen nahm sie mit auf eine lange Reise bis Kurgan. An Einzelheiten der Fahrt kann sich Hans Jörgen nicht mehr erinnern. Der Fahrer setze sich vor der Stadt an einem Straßenverteiler ab. Dort warteten sie fast 2 Stunden, bis sie ein Auto bis zum Renn-Ende mitnahm. etappe_3_049.jpg

Punkt 20 Uhr verließen sie das Auto und liefen noch ein paar hundert Meter bis ins nächste Dorf. Es war ein ungewöhnliches Dorf, fast nur neue Häuser. Hans Jörgen und Eva hatte in dieser neureichen Siedlung erst mal wenig Erfolg. Sie wurden mehrmals abgewiesen. Nach mindesten 5 Abweisungen wurden sie von einem Schuldirektor, wie sich später herausstellte, aufgenommen. Es war ein vornehmes, schönes Haus. Die Frau des Hause führte Hans Jörgen und Eva auch schnell in die gute Stube, die auch später ihr Schlafzimmer werden sollte. Die Kommunikation klappe mit Händen und Füßen und dem Zeichenstift ganz gut. Hans Jörgen hatte ja Bilder mit, die er den Gastgebern zeigte und die holten auch schnell Bilder von ihrer Familie. Ganz stolz waren sie auf die Hochzeitfotos ihres Sohnes. Irgendwie kam auch heraus, das es Computer mit Internetanschluss im Haus gab. Das war das richtige für Hans Jörgen, der seine Computer und das Internet schon ein wenig vermisste. Jetzt konnte er seine Internetseiten zeigen. Aber was viel besser war, Hans Jörgen kannte die Seite im Internet, auf der es ein Übersetzungsprogramm ins russische gibt. Mit dem Übersetzer konnte er ausführlicher erklären, was er so macht. Eva löste ihn an den Tasten schnell ab, weil sie doch wesentlich schneller schreiben konnte als Hans Jörgen. Hat sie doch eine Menge Erfahrung mit dem Computer und dem Internet schon hinter sich. Sie hält sich gerne in ChatRooms auf, in denen auch interessante Themen diskutiert werden können. Natürlich war die Kamera überall dabei. Mittlerweile hatte die Frau des Haus noch ein schmackhaftes Abendbrot bereitet. Das war ein guter Grund den Computer zu verlassen. Er war auch schon wieder sehr spät geworden, so dass Hans Jörgen schlafen wollte. Den Abend beschloss Hans Jörgen mit einem gemütlichen Bad in einem komfortablen Badezimmer. Ganz zufrieden konnte er sich nach diesem Tag Schlafen legen. Nach der anstrengenden Zeltnacht war das eine gute Erholung für Eva und Hans Jörgen

7. Tag, Freitag den 20.August

Juli 17th, 2005

Nach einer erholsamen Nacht suchte Hans Jörgen am Morgen seine Sachen zusammen. In ihrem Schlafraum lag der Sohn des Hauses. Anscheinend machte es Hans Jörgen nicht leise genug, denn Eva wies ihn recht unfreundlich zurecht. Sie hatte an diesem Morgen nicht die beste Laune. 
Mit einem ausreichenden Frühstück machten sich die beiden wieder Reise fertig. Sie wurden pünktlich vom Team abgeholt. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging es zurück an die Kreuzung, an der sie gestern Abend ausgestiegen waren.
etappe_2_484.jpgVon hieraus konnten sie auf das verschlafene russische Dorf schauen. Es war noch in leichten Nebel eingehüllt. Woher in dieser verlassenen Gegend ein Auto kommen sollte, war Hans Jörgen und Eva an diesem Morgen schleierhaft.
Sie hatten sich an der Kreuzung noch nicht richtig eingerichtet, da unterbrach auch schon Motorengeräusch die morgendliche Stille. In Sichtweite war eine Tankstelle, die hatten sie bis dahin nicht bemerkt. Dies nutzten auch die ersten Autos, um zu tanken und wieder in den Ort zurückzufahren.
Hans Jörgen bestellte in Gedanken ein Auto. Es dauerte keine zehn etappe_2_493.jpgMinuten, da hielt auch ein Auto. Ihr könnt euch die Überraschung und Freude von Hans Jörgen und Eva kaum vorstellen. Dieses Auto nahm sie nicht nur mit, sondern fuhr direkt zum Ziel Jekaterinburg. Es war wie ein Geschenk des Himmels.
Sie mussten ihrem russischen Fahrer nur noch klar machen, dass er nicht, wie er wollte, direkt nach Jekaterinburg fuhr, sondern einen Umweg über Nyazeptrovsk machen musste.
Eva saß mit der Karte auf dem Beifahrersitz und zeigte auf der Landkarte den Weg. Den Zwischenort hatten sie auch schnell gefunden. Anstatt dann den etwas längeren Weg über eine große Landstraße zu fahren, versuchte Eva es, einen kürzeren, direkteren Weg zu finden.
Leider sind die Straßen in Russland sehr schlecht gekennzeichnet. Entweder man weiß den Weg oder man verliert sich in der endlosen Weite der Landschaft. Die Wege wurden immer schlechter und die Gegend immer verwilderter.MIASS_map.jpg
Irgendwann, nach 30 Minuten Fahrt ins Ungewisse, hatten alle den Eindruck, falsch unterwegs zu sein. Es war auch so abgelegen, dass man niemand fragen konnte. Gott sei Dank entschloss sich der Fahrer zu wenden und zum Ort zurückzufahren.
Auf diese Weise verloren Hans Jörgen und Eva mindestens eine Stunde. Jetzt nahm der Fahrer seinen bekannten Weg. Es schien zwar etwas weiter zu sein, aber dafür ging es auch zügig voran. Der schnellste Weg, war eben der Umweg.
etappe_2_458.jpgWie das Glück es wollte, kamen ihnen auch alle Teams bis auf Harald und Eva im Laufe der Fahrt entgegen. So wussten sie, dass sie diesmal ziemlich vorne dabei waren. Die anderen waren nämlich außen herum gefahren und waren deshalb zwangsläufig länger unterwegs.
Zum ersten Mal kam mit Erreichen der etappe_2_558.jpgStadtgrenze von Jekaterinbug Rennfieber bei allen auf. Sie mussten den Bahnhof finden. Das schaffte der Fahrer sehr gut. Im Wagen fieberten alle der Ankunft entgegen.
Als Wievielter werden sie ankommen?
Hans Jörgen hält nach den Begleitfahrzeugen der andern Ausschau. Es ist nichts zu sehen. Auf dem Parkplatz beeilen Sie sich, ihr Gepäck möglichst schnell aus dem Wagen etappe_2_513.jpgzu bekommen und zum Checkpoint zu laufen. Leider blieb ihnen nicht viel Zeit und Möglichkeit, sich bei ihrem Fahrer zu bedanken. Sie wollten ihm ihre restlichen Rubel geben, er wollte aber nichts und freute sich anscheinend mit ihnen, es geschafft zu haben. etappe_2_588.jpg
Sie erreichten ganz aufgeregt die Fahne mit dem Symbol vom Peking Express als Zweiter und das nach dem Pech bisher. Es war ein gutes Gefühl, mit vorne zu sein. Patrice schaut beide so ungläubig, als hätte er alle, nur nicht Hans Jörgen und Eva auf der Rechnung gehabt.

Vom Bahnhof aus wurden sie an einen anderen Ort gefahren, wo später das Ranking stattfand. Es war ein schöner Nachmittag und es dauerte auch noch einige Zeit, bis alle Teams eingetroffen waren.etappe_2_661.jpg
Wie immer, war Warten angezeigt und wie immer durften sich Hans Jörgen und Eva vom Teamwagen nicht entfernen. Anscheinend wollte man verhindern, dass sich die Teams vor dem offiziellen Ranking treffen und miteinander reden. Das hatte zur Folge, dass sie sich nur eingeschränkt bewegen durften. Vom Parkplatz aus war die wunderschöne Kathedrale von Jekaterinburg zusehen, sie durften aber nicht hin.etappe_2_657.jpg

Wieder wurde Hans Jörgen bewusst, dass sie Teilnehmer einer Show waren. Es war für ihn sehr frustrierend, an solch einem kulturellen Ort zu sein und eigentlich wie Rennhunde in der Box gehalten zu werden. Er fand kein Verständnis für sein kulturelles Interesse.
Alles wurde der Organisation und dem Drehverlauf der Show untergeordnet. Die einzige Hoffnung, die er hatte, war, dass zu mindestens später in der Sendung mehr davon gezeigt würde. Das hatte man ihm zu mindestens vorher so versprochen. Leider blieb es wie so vieles, nur ein Versprechen.

etappe_2_629.jpgNachdem Ranking in einem wunderschönen Saal, das sie mit ihrem Erfolg auf den vierten Platz brachte, wurden alle ins TentCamp oder zu deutsch auf einen Zeltplatz etwas außerhalb gefahren. Es war schon komisch, dass das ausscheidende Paar, Timm und Nadine, einfach so verschwanden. Es gab keine Gelegenheit sich von den beiden zu verabschieden.

MIASS_Jekaterin2_map.jpgDer Zeltplatz befand sich in einem Waldgebiet am Rande eines Sees. Die Zelte standen am Waldrand, vor einer großen Wiese. Es war ziemlich viel Platz zwischen den Zelten. Hans Jörgen und einige andere nutzten den Abend, um einige Wäsche zu waschen. Es war dringend nötig. Zwischen den Bäumen konnte man auch gut die Wäscheleinen spannen. Es dauerte auch nicht lange, da hingen in Leinen voll mit Wäsche. An diesem Abend waren auch noch Kameras anwesend, die anscheinend etwas von der Zeltidylle festhalten wollten.
etappe_2_659.jpgMittlerweile hatten sich andere damit beschäftigt, zu kochen und es roch ganz lecker. Nach und nach fanden sich alle am großen Tisch mitten auf der Wiese wieder. Um sie herum versuchten die Kameras etwas vom abendlichen Treiben einzufangen.

Dabei fiel Hans Jörgen Klaus auf, der seinen Frust wohl ausgiebig in eine Kamera hinein sprach. Er war ganz davon überzeugt, das der Peking Express mit einem durchdachten Drehbuch läuft, bei dem nichts dem Zufall überlassen wurde. Für ihn stand fest, dass er mit Norbert wohl der nächste ist, der gehen wird.
Auf der einen Seite war es eine interessante Theorie, auf der anderen Seite wollten Hans Jörgen sich davon nicht einfangen lassen. Das ein solches Thema aufkam, lag wohl auch daran, das einiges merkwürdig und manchmal willkürlich erschien. Die immer propagierte Gleichbehandlung konnte nicht eingehalten werden. Die einzelnen Begleitteams waren naturgemäß einfach zu unterschiedlich.
Zwar erfuhren alle immer ihren Platz am Ziel, aber harte Daten dazu gab es nie. So rumorte es immer etwas im Untergrund.  Es gab da Wahrnehmungsunterschiede, die manchmal schwer mit reinem Glück in Verbindung gebracht werden konnten.
Ob dies eine gruppendynamische Bewegung unter den Teilnehmer bezwecken sollte, bleibt wie vieles auch nur reine Spekulation. Noch richtete sich aufkommender Ärger bei den Beteiligten mehr in Richtung Organisation und Durchführung und nicht zwischen den Teilnehmer selber.

War es am frühen Abend in der Sonne noch angenehm warm, so wurde esetappe_2_658.jpg mit der Dämmerung ganz schön kühl. Das sah ich gut aus für die Wäsche. Kühl und feucht, würde nasse Kleidung am nächsten Morgen bedeuten.
Mittlerweile hatten einige ein Lagerfeuer angezündet. Sie saßen noch lange ums Feuer herum und hatten zum erstemal die Gelegenheit mehr von einander zu erfahren. Es war schon spannend, was man so von den einzelnen erfahren konnte. Bisdahin waren sie für Hans Jörgen alle unbekannt.
Erinnern konnte sich Hans Jörgen an die Sorgen von Harald, der immer wieder betonte, das es wohl ein Konzept der Show wäre, das die Teilnehmer Streit untereinander bekommen sollten. Das aber wollte er auf keinen Fall.
Für Hans Jörgen, so sagte er mir, MORRIS, wäre das eine normale gruppendynamische Auseindersetzung geworden. Eine Phase, die alle Gruppen auf ihrer Entwicklung durchmachen. Noch waren sie aber keine Gruppe. Ein gewisse Gruppenbildung war für Hans Jörgen aber wohl bei einigen schon zu beobachten. Es schienen sich Koallitionen zu bilden, die zu diesem Zeitpunkt noch mehr darauf bedacht waren, zusammen zu wachsen, als sich von anderen abzugrenzen.
Hans Jörgen erzählte mir, MORIS, auch noch, dass er an diesem Abend versuchte, einen Ersatz für das verlorene Taschenmesser zu bekommen. Leider wollte sich keiner der anderen von einem Messer trennen, obwohl einige mehr als 1 Messer bei sich hatten. Hans Jörgen und Eva brauchten aber ein Messer, um wenigstens über Tag Brot und Wurst schneiden zu können. Es gab dafür zunächst keine Lösung.
Bevor Hans Jörgen ins Zelt kroch, stellte er noch Stühle ums Feuer und hängte die nassen Kleider und darüber. Was zunächst keine schlechte Idee war, sollte sich später anders herausstellen. Hans Jörgen hatte vergessen, dass nicht nur Wärme, sondern auch Qualm vom Feuer ausgehen. Er räucherte seine Kleidung ganz schön ein.
Es sollte wieder eine ungemütliche Nacht werden. Es war kalt, feucht und hart.