Archive for the ‘Bilder’ Category

Es geht an einem andern Ort weiter

Dienstag, Juli 10th, 2007

Jetzt ist es schon mehr als ein Jahr, dass überhaupt etwas in diesem Blog erschienen ist. Einmal lag es daran, das Hans Jörgen viel mit seiner Praxis zu tun hatte, zum anderen aber, das er ein neues Blog-Projekt auf einem deutschen Server eröffnet hat.

Hans Jörgen hat sich entschlossen, den Bericht auf dieser Seite so zu beenden und nicht bis Peking weiter zu führen.
Einmal ist unklar, wen dieser Bericht überhaupt noch interessiert und dann gab und gibt immer wieder erhebliche Server-Schwierigkeiten.
Diese Seiten waren und sind oft nicht erreichbar. In den letzten 3 Monaten hat sich das gebessert, aber dennoch ist es schon frustrierend, wenn man sich die Mühe macht und dann geht hier nichts.

Auf diese Weise sind auch die Bilder vom Pekingexpress nicht mehr abrufbar. Man hat das System umgestellt und die Datenbank läuft so nicht mehr. Mal sehen vielleicht spiele ich eine neue Bilderdatenbank auf, die das Problem löst.

Anstatt hier weiterzumachen, hat Hans Jörgen sich entschlossen, die Reise noch einmal per Video aufzuarbeiten. Diese Videos können jetzt unproblematisch bei www.sevenload.de herunter geladen werden und in einen Webblog eingebunden werden.

Wer also Lust hat, und die Reise auf per Video übers Internet noch einmal verfolgen möchte, der schaue bei Tramper.webmg immer mal nach. So alle 2 Wochen wird da ein neues Video erscheinen. Im Moment ist Hans Jörgen kurz vor dem Start des Pekingexpress.

28.Tag, Freitag den 10.September

Donnerstag, Februar 16th, 2006

Hans Jörgen hatte noch lange über das unerwartete Telefonat nachgedacht und war erst langsam eingeschlafen. Obwohl Hans Jörgen aus seiner Berufserfahrung her wusste, das man im Medienbereich besonders vorsichtig mit persönlichen Versprechen und Zusagen sein musste, war er von dem Verhalten der beiden Verantwortlichen doch ziemlich enttäuscht. Er hatte im Laufe des Projekts zwar immer wieder erfahren, das vorher gemachte Zusagen nicht eingehalten wurden, aber diesmal hatte er noch einmal ganz deutlich zu spüren bekommen, wie sehr er als Teilnehmer einer Produktion der Willkür und den Launen der Entscheidungsträgern ausgesetzt ist und war.
Letztlich gab und gibt es auch kaum eine Möglichkeit sich dagegen zur Wehr zu setzen. Mann willigt mit der Teilnahme am Projekt ein und segnet es mit dem unterschriebenen Vertrag ab. 
So konnte Hans Jörgen die öffentlich gemachten Zusagen auch nicht einfordern, sondern musste sich mit einer so genannten "Schadensbegrenzung" abfinden.
Es war auch nicht sehr viel Spielraum, sich damit jetzt zu befassen, sondern Hans Jörgen musste klären, wie es konkret von Irkutsk weiter gehen könnte. Klar war für ihn, dass sie auf eigene Faust weiterfahren.
Aus seinem Transsibirischen Reiseführer hatte er die Information, das am Samstag ein Zug und ein Flugzeug in die Mongolei gehen würde. Eigentlich wäre er gerne mit dem Zug gefahren. Dafür mussten sie wieder zurück über Ullan Ude in die Mongolei. Wahrscheinlich würden sie die Grenze aber erst erreichen, nachdem das Visum schon abgelaufen wäre. Das könnte in Russland zu ungeahnten Schwierigkeiten führen und Hans Jörgen verstand nun mal kaum etwas in russisch.

Also entschloss Hans Jörgen, sich sobald wie möglich, an diesem Morgen um einen Flug zu kümmern. Das Frühstück um 9 Uhr  im Hotel ANGARA war sehr gut und reichlich. Eva wollte wieder ins Bett und sich erholen.

Angara_reisebuero.jpg

Hans Jörgen ging hinunter in die Empfangshalle. Dort war auch ein russisches Reisebüro angesiedelt. Die Reisefachfrau konnte ein wenig Englisch, so dass Hans Jörgen ihr verständlich machen konnte, was er wollte.
Dann eröffnet sich die nächste Überraschung.
Die freundliche Russin hinter ihrem Schreibtisch berichtete Hans Jörgen, das im Prinzip Samstag immer Flüge von Irkutsk nach Ulan Bator statt finden, nur diesen Samstag leider nicht.
Der nächst mögliche Flug wäre Montagmorgen um 10 Uhr.
Das darf doch nicht wahr sein, dachte Hans Jörgen. Ihr Visum lief doch morgen ab. Ohne Visum konnten sie nicht mal mehr das Hotel buchen, denn dort mussten sie immer ihren Pass abgeben. Mit Zug hatten sie morgen auch keine Chance.
Die einzige Möglichkeit, aus diesem Dilemma herauszukommen, war, zum Passamt zu gehen, so meinte die Russin aus dem Reisebüro.

 

empfang_angara.jpg

Hans Jörgen ging an die Rezeption des Hotels. Erklärte mit Händen und Füßen, was er erledigen müsste. Eine Dame an der Rezeption erklärte ihm mit gebrochenem Englisch, wo er hin müsste. Schrieb ihm die Adresse in  russisch auf einen Zettel und händigte ihm seinen Reisepass aus.

Es war ein schöner, sonniger  September morgen, an dem sich Hans Jörgen auf den Weg machte. Das konnte ja noch heiter werden. Er hatte nicht viel Möglichkeiten über seine Lage nachzudenken, jetzt musste er erst einmal dieses Passamt finden.

Irkutsk_karte.jpg

Es war nicht so weit vom Hotel entfernt. Dank seines Zettels mit der Anschrift zeigte man ihm auch den Weg dorthin.
Es war ein altes Gebäude. Auf den Gängen drängten sich die Menschen. Hans Jörgen verstand nicht viel von dem, was da gemurmelt wurde. Er zeigte immer nur wieder seinen Zettel und landete in einer Amtsstube mit uniformiertem Personal.
Dort schaute man Hans Jörgen an, Hans Jörgen schaute die anderen an. Doch beide Seiten verstanden überhaupt nicht, worum es denn eigentlich ging.  Hans Jörgen hielt immer wieder seinen Pass hin. Auf die russischen Fragen konnte er sich keinen Reim machen. Bis schließlich eine russische Beamtin ihm eine Visitenkarte in die Hand drückte.
Darauf stand zu mindestens auf einer Seite der Karte in englischer Sprache "SPUTNIK" Irkustsk Internatinal travel Bureau.

Was jetzt ???
Hans Jörgen wollte doch eine Verlängerung seines Visums und nicht schon wieder in ein Reisebüro. Alles zeigen auf den Pass half nicht weiter. Er erntete auch nur Schulterzucken und immer wieder den Verweis auf die Visitenkarte.

Da blieb im nicht anderes übrig, als wieder zurück ins Hotel zu gehen. Die Frau an der Rezeption erklärte Hans Jörgen jetzt, wie er zu diesem Reisebüro gelangen könnte. Gottseidank war das auch nicht weit vom Hotel entfernt. Er konnte noch alles zu Fuß erledigen.
Diesmal musste Hans Jörgen nicht in Richtung Stadtzentrum, sondern genau in die entgegengesetzte.

Mit einem neuen Zettel in der Hand machte er sich auf den den Weg. Das Wetter war so schön,  so dass ihm das "Unterwegs sein" von daher Spaß machte.
Er ging um ein paar Häuserblöcke. Dann hatte er das Haus mit dem Reisebüro gefunden. Es war in einem Hinterhof eines Patrizierhaus. Eines der vielen schönen Häuser, die Irkutsk zu einer liebenswerten Stadt machen. In einem dunklen Flur mit vielen Türen findet er schließlich das Schild SPUTNIK.

Mit dem Anklopfen öffnete sich die hohe Holztür und eine freundliche Frau um 40  bat Hans Jörgen hinein. Es war ein gemütliches Büro mit Computern und vielen Prospekten. Die Wand voller Poster und Bilder von nahen und fernen Welten.
Auf Hans Jörgen wirkte das alles sehr gemütlich, vertrauenerweckend. Er fasste ein Stück Hoffnung, an der richtigen Stelle zu sein. Die Russin verstand englisch und hörte Hans Jörgen zu. Es tat ihm gut, jemand gefunden zu haben, der sich anscheinend mit seinem Problem beschäftigen wollte.
Er war ein paar Minuten im Büro, als die Tür aufging und ein stämmiger Russe um die 50 eintrat.  Hans Jörgen traute seinen Augen nicht, diesen Mann kannte er doch.

Hatte er und Eva ihn  doch erst vor 4 Tagen beim Halt in Irkutsk getroffen. Dort hatte er noch ein Foto von ihnen gemacht.
Igor erkannte Hans Jörgen auch und beide waren über ihr erneutes Treffen sehr erfreut. Hans Jörgen wurde wieder mit der russischen Freundlichkeit überschüttet, die in den vergangenen Wochen oft erlebt und genossen hatte. Das tat nach dem Frust der letzten Stunden sehr gut. Hans Jörgen blühte innerlich wieder auf und hatte das Gefühl, es geht weiter.

Nach einem Austausch von Informationen, begann eine Reihe von Telefonaten. Am Ende stand, das Hans Jörgen mit einer Angestellten des Büros zum Flughafen musste. Dort sollte er bei der mongolischen Airline MIAT ein Ticket nach Ulan Bator kaufen. Erst mit dem Flugticket und der Bestätigung das morgen am Samstag kein Flug in Mongolei geht,  könnten die nächsten Schritte eingeleitet werden.

Zusammen mit einer netten Russin machte sich Hans Jörgen mit einem Taxi auf zum Flugplatz Irkutzk. Es waren 10 Minuten zu fahren und Igor hatte seiner Mitarbeiterin noch das Geld für das Taxi mitgegeben.
Im Flughafen hatten sie schnell das Büro der MIAT gefunden. Ein Ticket war kein Problem. Mit der Bescheinigung taten sie sich zunächst aber schwer. Für den Flug brauchte Hans Jörgen 166 Dollar. Eigentlich kein Problem. Hans Jörgen hatte eine MasterCard Gold und da müsste es Geld am Automaten geben. Warum eigentlich, das wäre doch zu einfach. Der Automat weigerte sich. Es gab keine Dollars.
Doch ohne Ticket gab es auch keine Bescheinigung. Auch das noch. In seiner Verzweiflung fragte Hans Jörgen, ob sie dann auch Rubel annehmen. Die Flugtickets sollten 5600 Rubel kosten. Soviel hatte Hans Jörgen noch vom Storno der Flugtickets aus UlanUde bei sich. Das war noch mal gut gegangen. Mit den Tickets ging es mit einem Sammeltaxi wieder zurück in die Stadt zum Reisebüro. Es war mittlerweile 13 Uhr, Mittagszeit.

Im Reisebüro erfuhr Hans Jörgen, dass er für die weitere Prozedur von sich und von Eva 2 Passbilder benötigte. Das er welche mit hatte, wusste er. Jetzt musste er noch herausbekommen, was mit Eva war.

Zwischen durch wurde im auch bewusst, das es Freitagmittag war und er bisher zwar schon viel für das Visum unterwegs war, aber noch nicht die entscheidende Visumsstelle aufgesucht hatte. Hoffentlich wird die Zeit dazu reichen. Doch wie so oft in den letzten vier Wochen hatte Hans Jörgen auch keine Zeit darüber nachzudenken.

Es ging zügig zurück ins Hotel. Dort wartete Eva schon auf ihn, denn sie wusste überhaupt was denn nun Sache war.

Passbilder hatte Eva natürlich nicht. Also mussten sie beide schnell in die Stadt und Fotos machen. Mit Hilfe der schon bisher sich sehr bewährenden Rezeption des Hotels hatte man ihnen wieder aufgezeichnet, wohin sie mussten. Auch war das Fotostudio vom Hotel aus gut zu Fuß zu erreichen.

 

Irkutsk_karte.jpg 

Zurück im Hotel hatten sich Svetlana und Eugene gemeldet. Sie wollten eine Abstecher an Baikal-See machen. Hans Jörgen wäre liebend gerne mitgekommen, er musste sich weiter um die Verlängerung des Visums kümmern. So fuhren die drei mit dem Auto weg und Hans Jörgen machte sich auf den notwendigen Behördenweg.

Er hatte mittlerweile zusammen, was er dafür brauchte, beide Pässe, Passbilder, die Flugtickets und die Bescheinigung der Flugesellschaft.
Als er ins Reisebüro zurück kam, war dort bis 14 Uhr Mittagspause.
Nach der Pause ging die Angestellte mit Hans Jörgen ein paar Häuserblocks weiter. Es war eine Art Behörde oder so was. Im ersten Stock betraten sie ein Büro und hinter einem Schreibtisch mit viel Schreibkram saß eine geschäftige Bürofrau. Sie schaute von ihrer Arbeit auf und ließ sich erklären, worum es ging.

Danach folgten einige Telefonate. Es wurden Formulare ausgefüllt und nach etwa 30 Minuten emsigen Treibens heißt es, Hans Jörgen sollte um 18 Uhr wieder kommen, dann wären die Papier fertig. Oh da fielen Hans Jörgen aber einige Steine von der Seele.  Das war ja mal wieder ausgesprochen gut gelaufen, obwohl Hans Jörgen oft sprachlich überhaupt nichts mit bekam. Eine Menge Anspannung fiel von ihm ab und er ging zurück ins Hotel, um sich ein wenig auszuruhen. Eva war mittlerweile weg und er konnte sich noch bis 17 Uhr 30  auf den Bett lang legen. Nach all dem Stress der beiden letzten Tage konnte er das gut gebrauchen.

Pünktlich um 18 Uhr war er wieder in der ersten Etage des russischen Büros. Zunächst war das Büro leer und Hans Jörgen hatte schlimme Befürchtungen. Er wartete noch eine viertel Stunde im Hof, dann stieg die Dame vom Mittag aus einem russischen Auto und kam auf das Büro zu. Sie hatte alles erledigt.

Oben wurde die Visa bis Montag an die Pässe geheftet. Hans Jörgen zahlte noch 3000 Rubel für die ganze Arbeit und hielt die heiß begehrten Dokumente in seinen Händen.

Er wertete dies als einen guten Start in den zweiten Teil seines Abenteuerunternehmens mit seiner Tochter auf dem Weg nach Peking.

Zufrieden mit sich und seiner Umgebung schlenderte Hans Jörgen durch eine wunderschöne Abendstimmung entlang der Prachtstraßen von Irkutsk zur Uferpromenade, um dort den Sonnenuntergang zu genießen.  An diesem lauen Herbstabend waren viele junge Menschen unterwegs. Das fiel Hans Jörgen richtig auf. Es waren für ihn ungewöhnlich viele hübsche russische Mädchen und Frauen unterwegs zur Uferpromenade. Am Ufer wird eine riesige Bühne aufgebaut, wahrscheinlich für ein Konzert am nächsten Abend. Hans Jörgen konnte den vorbei ziehenden Menschen und dem Wasser mit Genuss zu und hinter her schauen.

Mit einsetzender Abenddämmerung machte sich Hans Jörgen wieder auf den Weg zurück ins Hotel. Um 22 Uhr war er wieder auf dem Zimmer.
Kaum zurück meldet sich auch wieder die Produktionsfirma aus Deutschland mit der Nachricht, dass sie für den 1.Oktober einen Flug von Peking nach Düsseldorf für ihn und Eva gebucht haben.

Das war erstmal beruhigend. dennoch wollte sich Hans Jörgen nicht mit der Art und Weise abfinden, wie die beiden Verantwortlichen vor Ort sich aus der Affäre ziehen wollten. Deshalb bat er die Produktionsfirma, dass der Produktionsleiter sich doch bitte noch einmal telefonisch melden sollte. Man meinte, er wäre zur Zeit sehr beschäftigt, sie würden es ihm aber ausrichten.

In der der Zwischenzeit erreichte Hans Jörgen noch seine Frau in Deutschland und konnte mit ihr den neusten Stand besprechen. Sie hatte in ihrer Schule zwei mongolische Jungs und Hans Jörgen und Eva hatten sich mit dem Vater vor der Fahrt schon einmal zum Erfahrungsaustausch getroffen. Vielleicht war darüber eine Bleibe in der Mongolei zu arrangieren. Sie hatten aber auch eine Telefonnummer von der Freundin der letzten Kamerafrau bekommen. Die hatte ein Büro in Ulan Bator und könnte vielleicht auch weiter helfen. Jetzt wusste Hans Jörgen ja, das sie Montagmittag in Ulan Bator am Flughafen sein würden.

Es verging eine Stunde bis der Produktionsleiter dann schließlich doch sich meldete. Es kam noch einmal zu einem ausführlichen Gespräch, bei dem Hans Jörgen deutlich machte, das er die Variante, "wir waren nicht nüchtern", nicht akzeptieren würde und er erwarte, dass der Fernsehverantworliche sich an sein Wort halten würde. Schließlich hatte sich ja Hans Jörgen erst nach mehreren Gespräche zu einer Änderung seiner weiteren Reisepläne bewegen lassen. Das führte zunächst zu einer Verhärtung des Gesprächs und der Produktionsleiter zog sich wieder auf eine Schadensbegrenzung zurück.

Dann gelang es Hans Jörgen das Gespräch aus einer konfrontativen Gesprächsführung in eine konstruktive zu wechseln. Er merkte, dass dem Produktionsleiter die Situation auch nicht sehr angenehm war und er versuchte mit möglichst wenig Gesichtsverlust aus der Sache herauszukommen. Der Fernsehverantwortliche hatte demnach die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er hatte etwas versprochen, was er letztlich nicht genehmigt bekam. Eigentlich sollte man von Entscheidungsträgern schon erwarten können, dass sie ihren Kompetenzrahmen kennen. Hans Jörgen lies es bei dieser Argumentation, mehr war da nicht drin.

Die Konsequenz war, dass sie einen Flug von Peking nach Düsseldorf bekamen, alle weiteren Reisekosten aber selber tragen mussten.
Für den 27 September wurden sie zur AfterShow Party in Peking eingeladen. Mehr dazu würden sie erfahren, sobald es konkret würde.

Auf dieses Angebot konnte Hans Jörgen sich einlassen. Es war mehr, als man ihnen hätte geben müssen. Damit konnten die entstandenen Spannung beseitigt werden und Hans Jörgen konnte mit Ruhe an die Planung der nächsten 20 Tage gehen.

Was jetzt fest stand, dass sie am Montag Russland verlassen und spätestens am 27 September in Peking sein würden.

Bisher hatte Hans Jörgen noch nicht mit Eva darüber gesprochen. Als sie von ihrem Ausflug an den Balkai-See zurück kam, konnte er ihr den neuesten Stand mitteilen. Man konnte schon merken, dass sie ein wenig enttäuscht über das Verhalten der anderen war, dann hatte sich sich aber schnell gefasst und freute sich auf die weitere Reise. Eva erzählte noch etwas von ihrem tollen Ausflug an den See. Sie hatte auch Prospekte von einem Hotel mitgebracht.

Beide waren von dem anstrengende Tag gekennzeichnet und gingen auch bald ins Bett.

27.Tag, Donnerstag der 9.September

Montag, Februar 13th, 2006

Nach einer fröhlich durchzechten Nacht haben Hans Jörgen und Eva bis 10 Uhr fest geschlafen. Jetzt mussten sie sich um orientieren.  Die anderen waren schon lange weg und  sie waren jetzt auf sich alleine gestellt. Ein neues Gefühl, das sie beide erst einmal nicht so deutlich wahrnahmen.
Zunächst  frühstückten sie gemütlich gemütlich im Hotel. Danach trafen sie sich mit Svetlana, der Frau von unserem russischen Sicherheitsleiter Eugene. Sie wollte ihnen helfen, die Tickets umzubuchen. Das sollte ja eigentlich kein Problem sein, wie der Produktionsleiter ihnen mehrfach  versichert hatte.
Doch wie immer im Leben kam es auch hier anders.  Der Flug ließ sich nicht einfach umbuchen. Die einzige Möglichkeit war, den Flug von Ulan Ude nach Moskau zu stornieren und sich das Geld ausbezahlen zu lassen. Der Flug von Moskau nach Deutschland war auf die Austria Airline gebucht und ließ sich aus Russland her nicht verändern.
Nun wollten Hans Jörgen und Eva aber nicht., das dieser Flug so einfach verfiel und sie noch die ganzen Rückflugkosten selber tragen mussten. Noch hatte Hans Jörgen die Telefonnummer des Reiseunternehmens in Ulan Ude, die sich um dem Abflug kümmern sollte. Also versuchte Hans Jörgen dort jemand zu erreichen, kein Erfolg.
Die Handynummern des Produktionsleiters und des Fernsehenverantwortlichen blieben stumm.
Es waren ja noch Aufnahmeteams im Hotel, die auch noch zurück flogen. Hans Jörgen machte ein Team wach und bekam von ihnen die Telefonnummer der Produktionsgesellschaft in Deutschland.
Jetzt saßen sie ganz schön in der Zwickmühle und Hans Jörgen begann zu ahnen, dass wohl alles nicht so glatt laufen würden, wie sie es sich gestern Abend auf dem Fest noch anhörte. Deshalb sollten sich die weiteren Reisepläne von Hans Jörgen und Eva nicht verändern. Der Entschluss stand fest, mit nach Irkutsk zu fahren und noch eine Woche am Baikalsee zu bleiben und dann über die Mongolei nach Peking weiterzureisen.
Also stornierten sie den Flug von Ulan Ude nach Moskau und versuchten dann immer wieder telefonisch jemand zu erreichen, der den Rest dann klären konnte.
Hans Jörgen versuchte seinen Bruder in Deutschland zu erreichen. Vielleicht konnte der sich ja mit RTL in Verbindung setzen. Denn dort hatte Hans Jörgen auch nur die Anmeldung erreicht.  Die  Mitarbeiterin des  Fernsehenverantwortlichen war nicht im Hause.
Der Bruder von Hans Jörgen war auch nicht erreichbar, weil er kurzfristig nach Mexiko musste. Aber ein Arbeitskollege sagte zu, sich um die Angelegenheit zu kümmern und sich mit dem Fernsehsender in Verbindung zu setzen. Mehr konnten sie an diesem Morgen nicht erreichen.
russiche_autos.jpgEs blieb noch etwas Restzeit bis zum Mittag, dann wollte sich der Autokonvoi mit den russischen  Kleinbussen und  Fahrern  nach Irkutsk aufmachen.  Das sollten wieder 700 km zurück nach Russland bedeuten.

Es war ein schöner sonniger Tag an dem sich die Autokarawane in Bewegung setzte. Hans Jörgen konnte die Rückfahrt nicht so genießen, weil er immer noch niemanden erreicht hatte. So ging es wieder zurück an die Ufer des Baikalsee, entlang der Fischerdörfer. Es war für Hans Jörgen und Eva ungewohnt, einfach so, ohne Kamerabegleitung in einem russischen Auto zu sitzen und die Landschaft an sich vorbei rauschen zu lassen. Noch saßen die Erlebnisse der letzten Tagen beiden in den Knochen.fischverkaeufer.jpg Eva versuchte sich einfach nur zu erholen und schlief fast die ganze Fahrt.
Es gab eine Stelle auf der Fahrt, dort wurden Fische verkauft. Auf der Hinfahrt hatte schon der russische Fahrer damals dort angehalten und Fische gekauft. Jetzt hielt der gesamt Konvoi dort. Hans Jörgen und Eva stiegen mit aus und gingen entlang an den vielen unterschiedlichen Fischständen. Das gab es frischen Fisch, unterschiedlich geräucherten Fisch und getrockneten Fisch. Dazu mehre Arten von Kaviar.
Hans Jörgen kaufte auch einen Fisch und dachte, dass der jetzt so wie sonst eine Bockwurst einfach auf der Fahrt gegessen wird.
Das wollten Svetlana und Eugene aber nicht so. Sie gingen mit allen zusammen in eine Art Restaurant. Dort bestellten sie noch Brot und etwas zu trinken. Dann breiteten sie den gekauften Fisch und den Kaviar auf dem Tisch aus, so dass alle davon nehmen konnten und sollten.
Hans Jörgen hatte sich einen Fisch gekauft, der wohl mehr Richtung Trockenfisch ausgelegt und entsprechend zäh und hart war. Dafür war der Fisch der andern butterweich und sehr schmackhaft. Es stand auch eine Schüssel mit rotem Kaviar auf dem Tisch. Hans Jörgen war ansonsten kein Freund von Kaviar, aber dieser schmeckte ihm wirklich.
Nach der gemeinsamen Stärkung ging es zügig weiter Richtung Irkutsk. Unterwegs wurden sie noch einmal von russischen Kontrollen angehalten und es sah zunächst aus, als könnte es Probleme geben.  Dann näherte sich Eugene mit seinem Auto, zeigte den Kontrolleuren seinen Ausweis und man konnte fast sehen, welchen Respekt er ihnen damit einflößte. Sie zogen die Kontrollen sofort zurück und gaben dem Konvoi freie Fahrt.
Baikal_aussicht.jpgBei dieser Gelegenheit blätterte Hans Jörgen in seinem Reisepass  und schaute auch auf das russische Visa. Da bekam einen gehörigen Schreck. Das Visa war genau über 4 Wochen ausgestellt und lief am 11.September ab. Es war aber der 9. September. Das hieß, sie mussten spätestens in 2 Tagen Russland verlassen.
Oh, das war ja ein Überraschung mit der Hans Jörgen nun überhaupt nicht gerechnet hatte. Wie sollte das denn jetzt funktionieren? Sie wollten doch noch eine Woche am Baikalsee Urlaub machen und jetzt das.
Wie sagt man so schön, ein Unglück kommt selten alleine. Was tun? Zunächst hieß es erst Ruhe bewahren und nach einer Lösung suchen.
Bei der nächsten Rast versuchten sie  wieder jemand telefonisch zu erreichen, jedoch weiterhin ohne Erfolg.
Hans Jörgen besprach mit Svetlana und Eugene das Visumproblem. Beide hatten aber keine Lösung dafür. Eugene meinte wohl,  dass es schwierig werden würde.
Gegen 20 Uhr 30 erreicht der Konvoi Irkutsk.  Zunächst  fuhren sie eine preiswerte Bleibe an. Doch dort kamen sie leider nicht unter. Angara_hotel.jpgEugene scheckte sie im ersten Hotel am Platze ein, nicht gerade billig, aber zentral. Hans Jörgen und Eva waren erst einmal froh, überhaupt eine komfortable Bleibe zu habe.
Svetlana und Eugene gaben beiden ihre Telefonnummer aus Irkutsk unter der sie dann morgen erreichbar wären und überließen sie dann erstmal sich selber.
Es war ein großes Hotel und das Zimmer war sehr angenehm mit eigenem Bad, Fernsehen und Telefon. Hans Jörgen versuchte sofort jemand aus der Produktionsfirma in Deutschland zu erreichen. Er hatte Glück. Doch die wussten noch nichts von ihrem Glück. Hans Jörgen schilderte zunächst, worum es ging und man sagte ihm zu, sich darum zu kümmern.
Das Ergebnis war, das sich der Produktionsleiter nachts um ein Uhr aus der Mongolei meldete, um dem verblüfften Hans Jörgen mitzuteilen, das die Vereinbarungen von gestern im Suff geschehen wären und deshalb das ganze Projekt komplett gekänzelt würde.
Hans Jörgen glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Er wusste das zum Zeitpunkt der Abmachung alle noch klar waren, worüber sich sprachen. Mit Besoffenen hätte Hans Jörgen sicher nichts ausgemacht und sich auch nicht darauf eingelassen. Eine schöne Bescherung war das.
Zunächst hieß es, dass sie von Irkutsk auf dem kürzesten Wege in die Heimat zurück müssten. Doch darauf wollte sich Hans Jörgen auf keinen Fall einlassen. Jetzt hatte er sich schon einmal zur Weiterreise bewegen lassen. Er wollte und würde auf keinen jetzt die Rückreise antreten.
Nach einer heftigen Diskussion konnte er sich mit dem Produktionsleiter darauf einigen, das sie einen Flug von Peking nach Düsseldorf bekommen würden und ansonsten nichts mehr mit der Produktion zu tun hatten.
Sein ungutes Gefühl hatte Hans Jörgen doch nicht betrogen. Jetzt musste er wieder einmal komplett umdenken und alles neu arrangieren. Eigentlich wollte er und Eva die andern doch noch in Peking treffen. Daraus sollte nichts werden und das musste er jetzt Eva beibringen, die sich wohl darauf sehr gefreut hatte.
Mit sehr gemischten Gefühlen legte sich Hans Jörgen ins Bett, hatte er doch wiederum erfahren, wie wenig er Zusagen von Verantwortlichen der Produktion- und der Fernsehgesellschaft vertrauen konnte.